3D-Panorama


Pfarrkirche St. Martin

 Stadtpfarrkirche Mannersdorf am Leithagebirge

 Beschreibung von Heribert Schutzbier


1) Lage:

Die Mannersdorfer Stadtpfarrkirche steht auf einer kleinen Erhebung (Kirchenberg) am südwestlichen Ende der Stadt und ist vom Friedhof umgeben.

Da der Platz zur Zeit Joseph II. knapp außerhalb des damaligen Wohngebietes lag, durfte der Friedhof trotz der Hygienevorschriften des Kaisers rund um die Kirche verbleiben.

 

2. Patrozinium:

Hl. Martin

 

3. Entstehung:

Barockbau aus dem Jahre 1638 von Baumeister Peter Spey mit damals seitlich stehendem Turm. Kirchenschiff SO-NW orientiert.

Nach dem Brand von 1761 erfolgte eine großzügige Erweiterung. Das Kirchenschiff wurde nach NW verlängert und erhielt eine eindrucksvolle Fassade mit Mittelturm (Höhe 37 m), durch den der Haupteingang in das Gotteshaus führt. Zu beiden Seiten des Turmes stehen in Mauernischen Steinfiguren der Apostelfürsten Petrus und Paulus.

An der südlichen Längsseite befinden sich Anbauten der Inneren und Äußeren Sakristei und das Erdgeschoß des ehemaligen Turmes als Heiliges Grab.

Die Apsis mit 3/6 Chorschluss weist ein gratiges Kreuzgewölbe auf, das Langhaus ein Tonnengewölbe mit Stichkappen.

 

4. Vorgängerbauten:

Bei der Innenrenovierung der Kirche 1978 wurden im vorderen Teil des Langhauses Mauern zweier Vorgängerbauten freigelegt, die im rechten Winkel zur heutigen Kirche verliefen.

Der ältere Bau aus romanischer Zeit wies eine Raumbreite von 9,55 m auf. Fundamente der Südwestmauer wurden in der Sakristei und im Eingang zum Hl. Grab festgestellt. Ein schmaler Vorsprung an der Außenmauer in der Ecke Langhaus - Hl. Grab gehört dieser Bauphase an. Urkundliche Belege über diesen Bau sind nicht erhalten.

Die gotische Vorgängerkirche verlief parallel zur romanischen und besaß eine Raumbreite von 9,40 m. Die Südwestseite wies einen Mittelturm auf, der 1638 als Seitenturm in den Barockbau einbezogen wurde.

 

5. Katastrophen:

1761 brannte mit einem Großteil des damaligen Marktes auch die Pfarrkirche ab.

Anschließend Vergrößerung und Neubau des Turmes bis 1798.

1913 setzte ein Blitzschlag den Kirchturm in Brand. Turmhelm und Glocken wurden zerstört.

1915 mußten die neuen Glocken und das Kupferdach des Turmes für Kriegszwecke abgeliefert werden.

1927 Beschädigungen durch das “Schwadorfer Erdbeben”. Der Kirchturm löste sich handbreit vom Gewölbe des Langhauses.

 

6. Renovierungen:

1838/39 große Veränderungen im Inneren anlässlich des 200. Bestandes der Kirche,

70er-Jahre des 19. Jahrhunderts Renovierungsarbeiten an Turm und Fassade,

1933 Innen- und Außenrenovierung

1978-1982 Innenrenovierung,

1987-1989 Außenrenovierung

 

7. Ausstattung:

Drei Altäre aus dem frühen 18. Jahrhundert, deren große Altarbilder 1839 von A. Bathyany stammen.

Hochaltar: Hauptbild Himmelfahrt des hl. Martin, darüber Bild der Hl. Dreifaltigkeit, Statuen der Apostel Petrus und Paulus und der ungarischen Könige Stephan und Emmerich.

Linker Seitenaltar: Hauptbild Guter Hirte, darüber Bild Gott Vater, Statuen der Heiligen  Anna, Joachim, Aloisius und einer weiteren weiblichen Heiligen.

Rechter Seitenaltar: Hauptbild heiliger Johannes Nepomuk, darüber Heiliger mit Buch, Statuen der heiligen Katharina und Barbara.

Volksaltar: 1969

Altar in der Äußeren Sakristei: Klassizistisch um 1780 aus der ehemaligen Schlosskapelle mit Bild Herz Jesu (19. Jahrhundert).

Hängekanzel: 1697 datiert, 1838 umgesetzt. Am Korb gedrehte Säulchen, dazwischen Figuren Jesus und drei Evangelisten (der vierte bei der Umsetzung verloren). Schalldeckel mit Figur des Erzengels Michael.

Orgelchor: Vorschwingende Holzbrüstung mit Doppeladler um 1904, an den Langhauswänden weit vorgebaute hölzerne Oratorien.

Orgel: 1997 von der Oberösterr. Orgelbauanstalt St. Florian gebaut.

Holzkreuz mit Corpus aus dem 18. Jahrhundert.

Statuen: Hl. Florian und hl. Sebastian (18. Jahrhundert), Mannersdorfer Jesulein (Kopie des Originals 2011).

Bilder: Maria mit Kind, Kopie des Passauer Gnadenbildes in Strahlenkranzrahmen (18. Jahrhundert), Kreuzwegbilder um 1800.

Taufstein: Muschelschale um 1700 mit Holzdeckel.

Heiliges Grab: Prospekt um 1900, Tabernakel (18. Jahrhundert).

Bestuhlung:1960

 

8. Grabdenkmäler:

Triumphbogen: Grabplatte der Maria Christina Zeidler 1679

Hl. Grab Kapelle: Grabplatte des Mathias Wider von Widerfels 1708,

Grabplatte des Josef Anton Graf von Martinitz mit Wappen 1739,

Grabplatte der Maria Juliana Fischerin von Fischersberg 1768,

Äußere Sakristei: Wappengrabstein des Niclas Pecker, Bürger zu Wien 1554,

Wappengrabstein des Christoph Eberstarffer 1589.

 

9. Glocken:

Stahlglocken der Firma Böhlerwerke in Kapfenberg 1920, geweiht den Heiligen Martin und Leopold, der Heiligsten Dreifaltigkeit und dem Guten Hirten.

 

Quellen: Dehio - Handbuch der Kunstdenkmäler Österreichs, Niederösterreich südlich der Donau, Teil 2, M bis Z, Verlag Berger, Horn/Wien 2003.

Schutzbier Heribert, Streiflichter Mannersdorf am Leithagebirge Wasenbruck, Eigenverlag, 1999.

 

10. Bilder:

Aussehen der Pfarrkiche vor 1761 - Ausschnitt aus dem DeckengemäldeAussehen der Pfarrkiche vor 1761 - Ausschnitt aus dem Deckengemälde

1913 Kirchturm durch Blitzschlag abgebrannt1913 Kirchturm durch Blitzschlag abgebrannt

1915 Abtransport der Glocken für Kriegszwecke1915 Abtransport der Glocken für Kriegszwecke

1978 Beginn der Innenrenovierung der Pfarrkirche1978 Beginn der Innenrenovierung der Pfarrkirche

Stadtpfarrkirche - Blick zu den AltärenStadtpfarrkirche - Blick zu den Altären

Stadtpfarrkirche mit FriedhofStadtpfarrkirche  mit Friedhof

Kirche Wasenbruck

Wasenbruck gehörte ursprünglich zur Pfarre Pischelsdorf. Das hing damit zusammen, dass im 19. Jh. auch an Sonntagen gearbeitet wurde, den Arbeitern aber trotzdem der sonntägliche Kirchgang ermöglicht werden sollte. Da Wasenbruck näher bei Pischelsdorf als bei Mannersdorf liegt, konnten die Kirchgänger rascher an ihrem Arbeitsplatz zurückkehren.

1934 wurde im Turnsaal des Wasenbrucker Kinderheims eine Gottesdienststätte eingerichtet. Dort feierte der Pfarrer von Mannersdorf an Sonn- und Feiertagen das Messopfer.

Im Herbst 1959 begann der Bau der Wasenbrucker Kirche, nachdem bereits vorher von der Pfarre Pischelsdorf ein geeignetes Grundstück erworben worden war. Am 12. Mai 1963 wurde die Kirche auf den Namen des heiligen Josef des Arbeiters geweiht. Seit 1. Jänner 1967 gehört Wasenbruck auch pfarrlich zu Mannersdorf.

50 Jahre nach der Erbauung  wurde die komplette Außenfassade der Kirche renoviert. Obwohl seit vielen Jahren die Kirche von der Pfarre Mannersdorf betreut worden war, war die Liegenschaft bis zum Jahr 2014 der Pfarre Pischelsdorf zugeordnet. Im Rahmen einer Schenkung wurde das Grundstück und das Gebäude an die Pfarre Mannersdorf übertragen.

Jesulein

An das „Mannerdorfer Jesulein“ im Karmeliterkloster in der Wüste wurden von der Bevölkerung Bitten und Gebete gerichtet, die laut Überlieferung auch oft erhört wurden. Als das Kloster aufgelassen werden musste und im Oktober 1783 die Mönche nach Wien übersiedelten, nahmen sie das Jesulein mit sich. Nach einem Aufenthalt im zweiten Bezirk ist die „Heimat“ des Jesuleins seit 1901 die Karmelitenkirche in Wien Döbling.

Zu Beginn des neuen Jahrhunderts wurde von Josef Hof eine orginalgetreue Kopie dieser Statue angefertigt und im November 2012 der Pfarre Mannersdorf übergeben. Die im obigen Bild ersichtliche Figur steht seit dem auf der rechten Seite im Kirchenschiff der Pfarrkirche. Sie erinnert somit an die Bedeutung des „Jesus-Knabe aus Mannerdorf“ für die Gläubigen der Region.

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Pfarrleitung

Pater Mag. Albin Scheuch

Pfarrmoderator

Sprechstunden: jeden Donnerstag von 16 bis 17 Uhr

und nach tel. Vereinbarung: +43664/7968559

Albin Scheuch